10 Mythen über Rückenschmerzen und wie man damit umgeht, wenn sie auftreten 

Bandscheibenvorwölbungen, eine schwache "Core" Muskulatur, "Gelenke draußen"; Falls Sie an Rückenschmerzen leiden, haben Sie diese Worte vielleicht schon einmal gehört, als Erklärung Ihrer Schmerzursache. Sich zu bewegen, wenn der Rücken verspannt ist, tut weh und Sie werden alles tun, um das

zu vermeiden. Sich jedoch nicht zu bewegen, macht es noch schlimmer. Rückenschmerzen können ohne drastische Maßnahmen sinnvoll behandelt werden. 

 

 

Rückenschmerzen sind häufig

 

Obwohl Rückenschmerzen sehr schmerzhaft und besorgniserregend sein können, kommen diese sehr häufig vor und sind nur selten gefährlich. Ungefähr 84% der Menschen weltweit werden in ihrem Leben einmal Rückenschmerzen erleiden. Gleichmäßig auf alle Altersgruppen verteilt, von alt zu jung und im Alter nicht schlimmer werdend. Daher sollten sie nicht als Folge von Alterung oder "Abnutzung" gesehen werden. Die meisten Menschen erholen sich recht schnell und viele davon ohne die Notwendigkeit einer Behandlung. Einige Menschen erleben wiederholte Episoden von Rückenschmerzen, die belastend sein können, aber auch diese sind selten gefährlich.

 

Bildgebende Untersuchungen bei Rückenschmerzen sind nur selten nötig und können gefährlich sein

 

Die meisten Menschen denken, ein bildgebendes Verfahren wie bspw. Röntgen oder MRT wird ihnen die klare Ursache ihrer Rückenschmerzen präsentieren. 

Wissenschaftliche Recherche zeigt allerdings, dass Scans lediglich bei ernsten Diagnose-Vermutungen wie bspw. Krebs, Frakturen, Infektionen indiziert sind. Glücklicherweise betreffen diese Diagnose Stellungen nur etwa 1% der Menschen mit Rückenschmerzen weltweit. 

Das Problem des Screenings ist es, dass fast immer "etwas zu sehen" sein wird, diese Bildgebung allerdings nur wenig mit dem eigentlichen Rückenschmerz zu tun hat. 

Forschungen haben gezeigt, dass Menschen ohne Rückenschmerzen Bandscheibenvorwölbungen (30% der 20 Jährigen, 84% der 80 Jährigen), Bandscheibendegenerationen (37% der 20 Jährigen, 96% der 80 Jährigen), Bandscheibenprotrusionen (29% der 20 Jährigen, 43% der 80 Jährigen) und Gelenkverschleiß oder Arthritis (4% der 20 Jährigen, 83% der 80 Jährigen) aufweisen.

 

Die wissenschaftliche Recherche zeigt uns, dass dies normale "Befundergebnisse" sind, die im Alter zunehmen, ohne allerdings gefährliche u./ o. schmerzhafte Auswirkungen zu haben. Wenn nun also ein Screening bevorsteht und Sie einen langen radiologischen Report mit furchteinflößenden Begriffen erhalten, seien Sie sich bewusst darüber, dass viele dieser dort gelisteten Dinge normal sind bei Menschen, die KEINEN Schmerz haben.

 

Der Rücken ist NICHT so verletzlich wie wir denken

 

Viele Menschen denken, die Wirbelsäule müsse geschützt werden. Das ist inkorrekt und hat dazu geführt, dass bei der Informationsbereitstellung und den Behandlungsempfehlungen zu diesem Thema Ängste, Schutzmechanismen, Vermeidungsstrategien und Bewegungseinschränkungen resultieren. Häufiger Terminus bspw.: "Ihr(e) Gelenk/ Becken/ Bandscheibe ist verschoben/ ausgerenkt".

Menschen mit Schmerzen bewegen sich häufig anders, wenn ihnen der Eindruck vermittelt wird, dass sich "etwas verschoben/ ausgerenkt" hat. Wie dem auch sei, die Wissenschaft hat gezeigt, dass diese Strukturen sich nicht "verschieben" oder "ausrenken". Manche Gesundheitsexperten erzählen den Menschen, dass sie diese Strukturen zurück in ihren ursprünglichen Platz bewegen, in dem sie Behandlungen wie Manipulationen nutzen. Obwohl häufig eine Linderung der akuten Problematik nach einer solchen Art der Behandlung zu erleben ist, geht dies auf die damit verbundenen Veränderungen des Nervensystems und resultierende Muskelrelaxation einher - nicht mit der "Wiederausrichtung" der Bandscheiben und Gelenke.  

 

Auch wenn Core- Trainings (Planks, Sit- Ups, Pilates ...) sehr populär geworden sind, sind diese nicht effektiver als andere Übungen bei Rückenschmerzen (bspw. Laufen). Faktisch haben Studien gezeigt, dass viele Menschen mit Rückenschmerzen ihre Core Muskeln übertrainieren. Das ist in Etwa, wie bei verletztem Handgelenk die Faust zu ballen. Tatsächlich kann dieses Übertraining und Schutzspannung noch mehr Stress auf den verletzten Rücken ausüben.

Die "schwache Bauchmuskeln" oder "Ihr Rücken/ Becken ist instabil" Theorie kann wissenschaftlich nicht gestützt werden, und unnötige Angst, sowie nutzlos komplizierte Behandlungsverfahren des Rückenschmerzes mit sich bringen. Stattdessen ist Bewegung in einer entspannten, sicheren Weise effizienter. 

 

Abseits des allgemein verbreiteten Glaubens, gibt es keinen Beweis dafür, dass eine ideale Körperhaltung existiert. Während häufig das "Lümmeln" für Rückenschmerzen verantwortlich gemacht wird, existiert wissenschaftlich kein Beweis dafür, die Ursache dieses Problems zu sein. Im Gegenteil, viele Menschen mit Rückenschmerzen nehmen eine sehr starre aufrechte Körperhaltung ein und können nicht entspannen. Das nächste Mal, wenn Ihnen jemand erzählen möchte, dass Ihre Rückenschmerzen vom "Lümmeln" kommen, schauen Sie sich einmal um und beobachten Sie die Leute, die ohne Rückenschmerzen in den "unmöglichsten" Haltungen "rumhängen" und vergleichen Sie diese mit denjenigen, die MIT Rückenschmerzen in häufig starren und unkomfortablen Positionen sitzen. 

Inaktivität resultiert in Beschwerden. Sich also Pausen vom Sitzen zu nehmen ist sehr wichtig.

 

Der Rücken ist dafür gemacht, zu beugen und zu heben

 

Genau wie andere Körperteile (bspw. Das Knie), ist der Rücken dafür gemacht, sich zu bewegen und sich vielen verschiedenen Aktivitäten anzupassen. Es ist wichtig regelmäßig zu heben, darauf konditioniert zu sein und zu wissen, wie man schwere Dinge korrekt und sicher heben kann. In der gleichen Art und Weise, wie sich jemand das Knie verletzen kann, wenn er eine ungewohnte Bewegung macht, können ebenfalls Rückenschmerzen entstehen, wenn man bspw. etwas Schweres hebt, oder etwas, an das man nicht gewohnt ist. 

 

Menschen benutzen verschiedene Techniken, etwas zu heben und suchen sich dabei den komfortabelsten und effizientesten Weg; genauso wie Läufer unterschiedliche Lauftstile besitzen. Der Schlüssel ist es, zu üben und den Körper an die verschiedenen Belastungen und Gewichte zu gewöhnen. Ein Coach/ Trainer könnte helfen. 

 

Rückenschmerzen können auftreten, ohne eine Verletzung 

 

Die traditionelle Sichtweise ist, dass Schmerz ein Zeichen von (Gewebs-) Schädigung ist. Während manch ein Rückenschmerz ggf. hierzu in Verbindung steht, 

wissen wir, dass die Beeinflussung des Rückenschmerzes von vielen verschiedenen Faktoren abhängig ist. Diese umfassen physische ("Schützen" des Rückens, Vermeidung), psychologische (Angst vor Verletzungen/ Schmerz, oder einer ausbleibenden Heilung, schlechter Stimmung, Depressionen, Stress), Lebensstil (Schlafprobleme, körperlicher Inaktivität, Übergewicht) und sozialen (Beziehungsstress, schlechte Arbeitsbedingungen/ Unzufriedenheit bei der Arbeit, stressige Lebensereignisse wie Krankheit, Tod) Faktoren. 

Das bedeutet, der Schmerz kann steigen, während bspw. Bewegung, obwohl keine Schädigung des Rückens stattfindet. Jemals Kopfschmerzen gehabt bei Stress, Traurigkeit, Müdigkeit oder Erschöpfung? Rückenschmerz ist nichts Anderes. Für viele Menschen können Rückenschmerzen aus nur einem mechanischen Auslöser entstehen, wie bspw. etwas vom Boden aufzuheben oder sich zu drehen. In diesem Fall sind die Strukturen der Wirbelsäule durch andere Faktoren wie bspw. Schlaf Positionen oder Stress sensibilisiert. 

 

Jeder Rückenschmerz ist 100% real. Er st bei jeder Person unterschiedlich und es ist nicht alles nur "Kopfsache" oder Einbildung, selbst, wenn Stress, Stimmung oder schlechter Schlaf Teil des Problems sind. Ein Bewusstsein über all die verschiedenen Faktoren, die Auslöser sein können, hilft, ein besseres Verständnis des Schmerzes zu erlangen und diesen evtl. zu mildern. 

 

Nicht nur Hinlegen & Abwarten und nicht sofort OP !

Da die Leute häufig denken, sie hätten sich verletzt wenn sie Rückenschmerzen haben, ist es sehr üblich, dass sie sich ins Bett legen und sich ausruhen, bis der Schmerz verschwunden ist. Es gibt jedoch starke Beweise dafür, dass aktiv zu bleiben und zur täglichen Routine zurückzukehren, Arbeit und Hobbies eingeschlossen, wichtig ist und den Heilungsprozess fördert. Während es vllt. akut wohltuend ist, sich auszuruhen und im Bett zu bleiben, zeigt sich, dass anhaltende Ruhephasen nicht hilfreich sind und mit höheren Schmerz Leveln, größeren (Bewegungs-) Einschränkungen und längerer Arbeitsunfähigkeit assoziieren.  

 

Eine OP stellt kaum eine Option bei Rückenschmerzen dar. 

Es gibt Zustände, wie bspw. einer Nervenkompression, bei denen eine Operation helfen kann, die Symptome zu lindern, aber es ist wichtig zu verstehen, dass eine Operation nicht immer erforderlich ist. 

Leider werden viele Menschen recht schnell in eine OP geschickt. Die Resultate einer Operation allerdings sind prognostisch im Durchschnitt nicht besser (auf mittlere oder lange Sicht), als andere Interventionen, wie bspw. Training. Ein konservativer Behandlungsansatz, der Bewegung und Aktivität beinhaltet, sollte also immer an erster Stelle stehen. 

 

Bewegung ist gut bei Rückenschmerzen. Aber die Leute haben Angst

 

Entgegengesetzt der allgemeinen Meinung, sind Übungen hilfreich bei Rückenschmerzen, und die besten sind die, die Spaß machen. 

Beispielsweise haben Walking, Laufen, Radfahren, Schwimmen, Yoga und Pilates ähnliche Effekte auf Rückenschmerzen. 

Leider haben viele Menschen Angst davor, Übungen und Training durchzuführen. Ihnen wird erzählt, sie sollten vermeiden zu Laufen, oder Brustzuschwimmen und bei unanstrengenden Aktivitäten wie Gehen bleiben. Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass keine dieser Aktivitäten schlecht für den Rücken sind, oder die Gelenke verschleißen lassen. Zu Beginn können sie evtl. weh tun, eine Verletzung des Rückens aber findet nicht statt. Übungen in einer enstpannten Art und Weise (normal bewegen, nicht verspannen und nicht den Atem anhalten) und schrittweise zu steigern ist wichtig. 

 

Es hat sich herausgestellt, dass die Menge an Übungen wichtiger ist, als die Art der Übung. Mehr als 30 Minuten am Tag haben die stärksten positiven Auswirkungen auf die Gesundheit, aber jede Menge an Bewegung, die zu schaffen ist, wird sich positiv bemerkbar machen. Übung und Training reduziert zudem das Risiko überhaupt Rückenschmerzen zu entwickeln. Langsam anfangen uns sukzessive steigern.

 

Starke Medikamente haben keinen starken Einfluss auf Rückenschmerz 

 

Viele Leute denken, starker Schmerz braucht starke Schmerzmedikamente. Das ist nicht wahr. Bei einer neuen Episode des Rückenschmerzes sollte mit einem einfachen Schmerzmedikament gestartet und nicht schnell zu verschreibungspflichtigen Medikamenten gegriffen werden. Wissenschaftliche Recherche nach, haben starke Schmerzmittel, wie solche, die Opiate enthalten keinen größeren Einfluss auf Rückenschmerzen, als einfachere Präparate und können gegenteilig eher noch größeren Schaden anrichten. Falls Schmerzmedikamente nötig sind, ist zu raten, mit einer leichten Dosis zu starten und im Arztgespräch zu vereinbaren, wann diese zu überprüfen sind bzw. wann die Einnahme beendet werden sollte.

 

Vorsicht vor Werbung im Internet

 

Wir hören täglich von magischen Heilungs- und besten Behandlungsverfahren bei Rückenschmerzen in den Medien und im Internet. 

Diese beinhalten elektronische Geräte, pflanzliche Supplements, ausgefallenes Schuhwerk u. Einlagen, Stammzelleninfusionen und und und ... 

Viele dieser Dinge wurden nicht getestet und sind wahrscheinlich einfach Geldverschwendung, und falls sie doch getestet wurden, sind sie sehr unbeeindruckend. 

 

Rückenschmerz ist heilbar

 

Das Verständnis des Themas Rückenschmerz muss grundlegend überdacht werden. 

Die Denkweise über die Wirbelsäule ist total verzerrt und bestimmt von Panik. Natürlich kann man sich den Rücken verletzen - aber es wird mit Sicherheit besser. Es ist üblich, dass Leuten erzählt wird, sie könnten nichts an ihren Schmerzen ändern und sie müssten damit leben. Die Wissenschaft kann dies nicht belegen.

Der Rücken kann sich regenerieren. 

Man denke an eine Knöchelverstauchung - Sie ist extrem schmerzhaft am Anfang, aber sie wird besser unter angepasster Aktivität. Bewegungen zu vermeiden würde nicht helfen bei einer Knöchelverstauchung, das gleiche gilt für Rückenschmerzen. Die Schmerzerfahrung ist immer individuell und kann mehrere verschiedene Faktoren zur Ursache haben. Daher müssen alle dieser Faktoren in Betracht gezogen werden, Teil oder Ursache des Schmerzes zu sein. Das kann erklären, warum viele verschiedene Behandlungsverfahren in Zusammenhang mit Schmerz auf lange Sicht keine Resultate erzielen, da sie sich auf lediglich ein Puzzleteil konzentrieren. 

Persönliche Ziele setzen, relevante Faktoren wie Lebensstil und Gesundheit adressieren, Aktivitäten, die einem Spaß machen, entspannen, mit Freunden und Familie treffen - all das ist wichtig zur Heilung. Falls ein Aufflammen des Schmerzes passiert: keine Panik. Es ist Zeit, dass sich etwas ändert im Management des Rückenschmerzes.  

 

 

 

Engl. Original: 

 

https://www.independent.ie/life/health-wellbeing/health-features/10-myths-about-back-pain-and-how-to-cope-when-it-strikes-35330563.html

 

* Information provided by Dr Mary O'Keeffe (University of Limerick), Dr Derek Griffin (Tralee Physiotherapy Clinic), Dr Kieran O'Sullivan (Aspetar Orthopaedic and Sports Hospital, Doha, Qatar), Professor Peter O'Sullivan (Curtin University, Australia), Professor Chris Maher (The George Institute for Global Health, University of Sydney, Australia)

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